1. Smartphonebox nutzen: Immer wenn es richtig ruhig, richtig produktiv oder richtig romantisch werden soll, legen Sie Ihr Smartphone lautlos in eine kleine Box. Sofort haben Sie mehr Energie sich im Job zu konzentrieren und echte Quality-Time mit Partner, Freunden und Familie zu erleben. Der positive Effekt dieses Aus-dem-Auge-aus-dem-Sinn-Prinzips ist durch Studien belegt.

 

  1. Feste Zeiten: Im Job arbeiten Sie am effektivsten, wenn Sie Ihre E-Mails dreimal täglich kontrollieren. Privat helfen Ihnen feste Offline-Zeiten dabei, die Ruhe zu finden, die Sie brauchen und (wieder) Zeit für all das zu haben, was Sie jetzt vermissen!

 

  1. Feste Orte: Stoppen Sie das Leben „Vom Bildschirm zum Bildschirm“ und erledigen Sie Online-Aktivitäten am Schreibtisch statt am Smartphone. Kinderzimmer, Schlafzimmer und Esstisch sollten handyfreie Zonen sein. Also: Handys im Wohnzimmer laden, Wecker kaufen und wieder mehr gute Bücher und guten Sex genießen!

 

  1. Sinnvoll Surfen statt Daddeln: Fragen Sie sich bei jedem Scrollen und Surfen: „Stärkt mich, was ich gerade sehe? Bringt es mich weiter? Macht es mir Freude?“ Ist Ihre Antwort „Nein“, dann Aus und Raus aus dem virtuellen Paralleluniversum! Ihre Zeit ist zu kostbar.

 

  1. #unfollow! Soziale Medien sind Vergleichsmaschinen. Beruflich wie privat setzt uns das, was andere präsentieren unter Druck. Entfolgen Sie allen, die Ihnen das Gefühl geben, nicht gut genug zu sein und konzentrieren Sie sich wieder auf ihre eigenen Stärken. Trick: Anstatt durch den Social Feed zu scrollen blättern Sie durch Ihre eignen Fotos und freuen Sie sich über Ihre ganz persönlichen Glücksmomente!

 

  1. Pushnachrichten deaktivieren und Apps ausmisten: Schalten Sie so viele Kanäle wie möglich stumm und löschen Sie alles, was ablenkt. Ich selbst lebe seit zwei Jahren sogar ohne E-Mail am Handy. Funktioniert hervorragend und nimmt enorm viel Stress aus dem Alltag!

 

  1. Einen Kanal höher schalten: Holen Sie Ihre Beziehungen wieder ins reale Leben zurück! Also: Treffen statt Telefonieren und Telefonieren statt Tippen. Damit verbinden wir uns wieder wirklich.

 

  1. Falsche virtuelle Verpflichtungen ablegen: Vor allem privat glauben wir, immer für alle erreichbar und unseren Freunden auch online ein guter Fan sein zu müssen. Befreien Sie sich von diesen falschen Pflichten und sprechen Sie mit ihren Lieben über Ihre Entscheidung. Gibt es Widerstände, schaffen Sie für den Notfall ein Tastentelefon an, dessen Nummer nur ihre Top-5-Kontakte bekommen. So sind Sie auch dann für Ihre Kinder oder Eltern erreichbar, wenn alle anderen im Off bleiben.

 

  1. Analoge-Abenteuer-Liste anlegen: Schreiben Sie ohne lange nachzudenken 10 Dinge auf, die Sie unbedingt (wieder einmal) machen möchten und die Ihnen Freude bereiten. Immer wenn Sie die Angst vor der Langeweile im Netz gefangen hält, holen Sie diese Liste heraus – und starten ein kleines analoges Abenteuer! ;)

 

  1. Stellen Sie sich an erste Stelle: Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Medienkonsum Ihr Leben konsumiert. Nehmen Sie sich immer wieder ganz bewusst Zeit zum Lieben statt Liken und Genießen statt Googeln. Denn wir sind weit mehr als müde Konsumenten und gestresste Follower. We are Creators! Leben wir auch so.

 

Weitere Infos und Tipps im Buch: SWITCH OFF und hol Dir Dein Leben zurück. Wie wir der digitalen Stressfalle entkommen, von Monika Schmiderer, erschienen im Knaur Verlag, Erscheinungsdatum [2017], ISBN 978-3-426-21426-8, EUR [D] 16,99 €.

 

von: Monika Schmiderer, In: Pfarrbriefservice.de

Zitate zum Anfang ...

Wer begann, der hat schon halb vollendet.
Horaz (65-8 v.Chr.), röm. Dichter

Wer, wenn nicht wir? Wo, wenn nicht hier? Wann, wenn nicht jetzt?
Jüd. Sprichwort

Wenn wir nicht von vorne anfangen, dürfen wir nicht hoffen, weiter zu kommen.
Johann Gottfried Seume (1763-1810), dt. Schriftsteller

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
Aristoteles (384-322 v. Chr.), griech. Philosoph

Die Mitte der Nacht ist auch schon der Anfang eines neuen Tages.
Papst Johannes Paul II. (1920-2005)

Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
Meister Eckhart (um 1260-1327), dt. Theologe

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Hermann Hesse (1877-1962), Schriftsteller und Maler

Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen. Es ist schön zu leben, weil leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.
Cesare Pavese (1908-1950), ital. Schriftsteller

Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt.
Aus China

Jeder Tag ist ein neuer Anfang.
Sprichwort

Einfache Achtsamkeitstipps für den Alltag von Achtsamkeitslehrerin Susanne Kienast

1. Eine Mahlzeit am Tag ganz bewusst einnehmen

Ein schneller Snack in der Mittagspause, das Frühstück isst man im Stehen oder auf dem Weg in die Arbeit. Erkennen Sie sich wieder?
Das geht auch ganz anders: Zuerst einmal hinsetzen, das Radio ausmachen und dann das Essen ganz bewusst genießen: Wie riecht es? Wie schmeckt es? Wie fühlt sich die Konsistenz im Mund an? Schmeckt es mir wirklich? Welche Gewürze sind drin? Muss ich nachsalzen?
Die Übung lässt sich leicht in den Tag integrieren, denn essen muss schließlich jeder.

2. Die täglichen Wege genau nachspüren

Egal, ob es der Weg zum Bus, zur U-Bahn oder zum Supermarkt ist, häufig haben wir nur das Ziel vor Augen, sind gedanklich schon in der Arbeit, im Büro oder im Laden.
Versuchen Sie doch einmal, die Wege im Alltag ganz bewusst zu gehen. Spüren Sie Ihren Körper, die Bewegung Ihrer Beine, das Schlenkern der Arme, den kühlen Kontakt mit der Luft. Was riechen Sie? Was sehen Sie? Was hören Sie? Seien Sie einmal ganz im Moment, ganz ohne Ablenkung. 

3. Routinetätigkeiten ganz bewusst wahrnehmen

Duschen, Zähneputzen, Schuhebinden. Routinetätigkeiten führen wir häufig ganz automatisch, fast wie Roboter aus. Kein Wunder, dass wir uns danach kaum daran erinnern können. Auch gedanklich ist man häufig schon ganz woanders. Eine Übung in der Dusche: Spüren Sie das Wasser auf Ihrer Haut. Wie reagiert der Körper beim Temperatureinstellen? Ist das Wasser zu heiß oder zu kalt? Wie riecht es? Wie fühlen Sie sich? Versuchen Sie alles wahrzunehmen, aber den Moment auch zu genießen.

4. Begrüßen und Verabschieden ohne Zeitdruck

Ein Bussi hier, eine schnelle Verabschiedung da, manchmal nur ein Blick aus dem Augenwinkel. Aber sind unsere Lieben nicht mehr wert?
Versuchen Sie beim Verabschieden und Begrüßen nichts anderes zu tun. Machen Sie sich den Moment des Verabschiedens ganz bewusst. Sehen Sie Ihr Kind, Ihren Partner, Ihre Freunde noch einmal ganz genau an. Umarmen oder küssen Sie sie zum Abschied. Bleiben Sie aufmerksam. Wie geht es ihnen? Welchen Gesichtsausdruck haben sie?

5. Die ersten fünf Begegnungen am Tag

Wissen Sie noch, wem Sie heute Morgen als erstes begegnet sind? Die Antwort ist sicher nicht so schwer, aber wer waren die ersten fünf Menschen, die Sie gesehen haben? Darauf haben wahrscheinlich die wenigsten eine Antwort, weil wir den Menschen um uns herum, kaum Aufmerksamkeit schenken.
Versuchen Sie doch mal, sich die ersten fünf Menschen, die sie treffen, zu merken - kurz anschauen und wahrnehmen. Ist es eine angenehme Begegnung? Ist es schwierig? Gibt es eine Spannung oder ist Freude da? Sehe ich diesen Menschen häufiger oder heute zum ersten Mal?

Die Theologin Susanne Kienast ist im Erzbistum München und Freising in der Eheberatung Oberbayern tätig. Sie ist ausgebildete Achtsamkeitslehrerin (MBSR) und bietet auch Kurse zum Thema an.

von: Andrea Wojtkowiak für den Sankt Michaelsbund, In: Pfarrbriefservice.de

 

„Achtsamkeit hilft uns in der heutigen Zeit gelassen zu bleiben, verständnisvoll, mitfühlend.“ Ein Interview mit Günter Hudasch

Die Menschen dieser Zeit, sie scheinen gegeißelt von Stress, Hast, Eile. Bietet Achtsamkeit einen Ausweg aus diesem Hamsterrad? Günter Hudasch ist Vorsitzender des MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) – MBCT (Mindfulness Based Cognitive Therapy) – Verbands. In dem sich Achtsamkeitslehrende zusammengeschlossen haben. Ein Gespräch mit ihm über die Reizüberflutung dieser Zeit, den süchtigen Geist des Menschen und die ethische Komponente von Achtsamkeit.

 

Achtsamkeit ist in. Achtsamkeit ist trendy. Achtsamkeit wird gehypt. Warum?

Günter Hudasch: Ich denke, dass Achtsamkeit en vogue ist, weil die Leute nicht mehr abschalten können. Sie haben Stress und suchen etwas, das ihnen hilft, ihren Stress zu reduzieren. Es gibt eine sehr große Sehnsucht nach innerer Ruhe.

Aber woher kommt dieser Stress?

Wir sind vielfach vom täglichen Leben überfordert. Viele Leute leben in immer unsicheren Verhältnissen. Es gibt weniger Halt in Familien, in Partnerschaften. Sie werden brüchiger. Jobs sind nicht mehr sicher. Die Anforderungen an jeden Einzelnen sehr hoch.

Gleichzeitig ist der Terminkalender vollgestopft. Der Alltag verplant. Jede freie Minute muss effektiv genutzt werden.

Ja, pausenlos Entertainment, Internet, Informationen. Das ist, glaube ich, schlimmer geworden. Ich habe heute den Eindruck: Wenn nichts passiert, bin ich nicht entertained, dann muss ich sofort etwas machen.

Dafür stehen viele kleine Helfer bereit. Fernsehen, Computer, Smartphone, Social Media.

Wir bekommen heute eine Menge Nachrichten. Wir kriegen weltweit Informationen über jedes kleine Unglück, über jede kleine Demonstration irgendwo.

Aber, es ist wichtig, informiert zu sein. Bescheid zu wissen. Auf dem aktuellen Stand zu sein.

Es spricht nichts dagegen, dass sich Menschen politisch, inhaltlich interessieren und engagieren. Aber, es spricht etwas dagegen, dass wir Menschen uns ohne Grenzen aufladen. Mit Informationen, mit Meinungen, mit Impulsen. Wir erschöpfen uns mit einem Overload, einer völligen Überdosis an Informationen. Die können wir nicht verarbeiten. Ich glaube, wir sind durch Reizüberflutung überfordert.

Merken die Menschen nicht, dass ihnen diese Lebensweise nicht gut tut?

Die Menschen füttern mit all diesen Dingen ihr süchtiges Gehirn, ihren süchtigen Geist.

Süchtiger Geist?

Ja, unser Geist ist unruhig, suchend. Er will immer Neues erleben, immer neue Befriedigung, neue Anregungen. Er wühlt immer neue Gedanken auf, geht immer neuen Impulsen nach. Ständig kommen neue Körperempfindungen, Emotionen. Und er hat im Gegensatz von vor 200 Jahren viel mehr Optionen sich zu bedienen.

Kann Achtsamkeit in dieser Zeit des Stresses, der Hektik, der Reizüberflutung helfen?

Ja, in Übungen, in der Meditation setzen wir uns damit auseinander, wie der eigene Geist funktioniert. Wir bemerken, dass das Reaktionen unseres Geistes sind. Wir steigen aber nicht auf dieses Karussell ein. Wir sagen: „Wow, eine Menge Unruhe hier“ und schauen freundlich und mitfühlend an, was unser Geist macht.

Und reden uns alles schön?

Nein, es geht nicht darum, dass wir alles gut finden und nette Zustände in uns herstellen. Achtsamkeit heißt, dass ich in mir und um mich herum wahrnehme, was im Moment passiert, ohne es zu werten. Egal, ob es nett ist oder nicht, schmerzhaft oder schön. Das, was freudig ist, kann ich als Ressource für mich nehmen, aber ich kann auch bei dem bleiben, was schwierig ist. Bei schwierigen Gedanken, Ängsten, Körperempfindungen.

Das hört sich anstrengend an.

Den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, ist wahnsinnig schwierig, weil es nicht seiner Arbeitsweise entspricht. Es ist möglicherweise anstrengend, wenn Sie sich hinsetzen und eine halbe Stunde Ihren Atem beobachten. Sie werden schnell feststellen, es kommen jede Menge Gedanken. Sie werden unruhig und denken: Och ne, jetzt höre ich auf.

Deswegen empfehlen Sie einen achtwöchigen Kurs, bei dem sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen. Sie treffen sich einmal in der Woche für zweieinhalb Stunden.

Jede Woche geht es um ein anderes Thema. Wir beschäftigen uns mit der Theorie und der Praxis. Wir machen Meditationsübungen und Achtsamkeitsübungen, die zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde dauern. Diese Übungen versucht man in seinen Alltag zu integrieren.

Was bewirken diese Übungen?

Wenn zum Beispiel jemand in der Arbeit zur Türe reinkommt, dann haben Sie sofort einen Eindruck von dieser Person. Sie kriegen möglicherweise einen Schweißausbruch, weil sie Ihnen Angst macht. Sie können das nicht verhindern. Aber, wenn Sie sich das bewusst machen, wenn Sie das nicht werten, können Sie Ihre Reaktionen wirklich studieren und im nächsten Schritt überlegen: Ist das realistisch oder kann ich mich entspannen? Sie nehmen Abstand von der Reaktion, die schnell und automatisch kommt. Sie lernen, weniger darauf zu reagieren.

Aber Reaktionen sind sinnvoll. Sie schützen davor, sich in Gefahr zu bringen.

Nein, diese inneren Reaktionen, die wir für die Realität halten, sind gelernte Mechanismen. Sie sind angst- und abwehrgetrieben. Achtsamkeit ist der Schlüssel dazu, dass wir nicht aus unseren automatischen, reaktiven Impulsen heraus handeln, sondern aussteigen. Dann können wir uns beruhigen, mit all dem, was unser Geist produziert. Können Gelassenheit entwickeln und haben die Wahl eine möglichst heilsame Reaktion zu wählen.

Wie äußert sich diese Gelassenheit im Alltag der Menschen?

Die Menschen können mit ihren Schwierigkeiten anders umgehen. Mit sich, mit Kollegen, mit dem ganzen Umfeld. Zum Beispiel erzählte mir ein Kursteilnehmer: „Meine Mitarbeiter fragen, ob ich etwas mache, denn ich bin ruhiger geworden. Ich springe nicht mehr bei jedem kleinen Reiz an."

Achtsamkeit hat einen großen Einfluss auf jeden Einzelnen, aber auch auf andere Menschen. Auf das Miteinander in dieser hektischen Zeit.

Achtsamkeit hat eine starke ethische Komponente. Bin ich ok mit dem, was ich mache? Finde ich das vertretbar? Schauen Sie sich an, in welcher Welt wir heute leben. Es gab noch nie so viele Menschen, so viele unterschiedliche Bewegungen in der Gesellschaft, so viele Informationen. Achtsamkeit hilft uns gelassen zu bleiben, verständnisvoll, mitfühlend. Wir können mit all dem mit mehr Ruhe und Offenheit umgehen. Anstatt aus unseren automatischen Impulsen heraus mit Angst, Sorge und Abgrenzung zu reagieren. Ich glaube, dass Achtsamkeit eine starke politische Dimension und verbindende Wirkung hat.

 

von: Ronja Goj, In: Pfarrbriefservice.de

 

Eine Herausforderung für alle gesellschaftlichen Kräfte,

aber auch für den Einzelnen

 

Über Franz von Assisi (1181/82–1226) wird erzählt, dass er dem Bruder Gärtner die Anweisung gab, im Garten nicht alles Unkraut auszujäten, sondern etwas davon in einem kleinen Eck wachsen zu lassen. Das Unkraut soll so auch seinen Platz bekommen, war sein Anliegen.

 

Eine bemerkenswerte Begebenheit. Sie ist mir spontan zum Thema Toleranz eingefallen. Toleranz, tolerieren, vom Lateinischen tolerare bedeutet ertragen, erdulden, aushalten, aber auch zulassen. Tolerant sein heißt dann: Standpunkte und Aktionen anderer, die ich selber nicht teilen kann, aushalten und auch zulassen. Vorausgesetzt sie schaden niemand ernsthaft. Das heißt nicht, dass ich mich nicht damit auseinandersetze und darüber streite, denn Toleranz heißt ja nicht Indifferenz und Beliebigkeit.

 

 

Toleranz hat ihr Fundament im Respekt vor der Würde jedes Menschen. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang auf etwas hinzuweisen, das fast schon wieder banal klingt, nämlich: Toleranz beginnt immer bei mir selber, und zwar beim Kennenlernen der eigenen toleranten und intoleranten Seiten. Tolerant sein mit anderen kann nur jemand lernen und leben, der selbst Toleranz gegenüber den eigenen Eigenarten erlebt hat, und vor allem jemand, der sich selbst mit seinen (scheinbaren oder tatsächlichen) „Defiziten“ und „Mängeln“ toleriert und auch seine eigenen Fähigkeiten und Stärken sehen und leben kann. Kurzum: Ich kann nur dann mit anderen tolerant sein, wenn ich es auch mit mir selber bin.

 

Das Unkraut, das die meisten immer zuerst beim anderen sehen, gibt es eben auch in mir selber. Aber wie geht’s mir mit meinen unliebsamen Seiten, mit meinen Grenzen, mit den Widersprüchen, dem Befremdlichen, mit dem inneren „Schweinehund“ und dem Abgründigen in mir? Nehme ich das überhaupt wahr? Bin ich in Kontakt damit? Und kann ich das aushalten? Ja, kann ich es zulassen und da sein lassen? Oder führe ich Krieg gegen mich selbst?Vertuschen und verdrängen als eine weitere Möglichkeit ist im Grunde ein nicht weniger aggressiver Umgang damit. Mich damit auseinandersetzen und an mir arbeiten schließt Respekt und Toleranz nicht aus, sondern ein. Ja es ist sogar die Voraussetzung dafür, denn nur dann kommt auch wirklich etwas in Bewegung, kann sich was ändern und wandeln. Wer sich selber aushält, kann andere aushalten in allem Respekt vor meiner und der Würde anderer Menschen.   

 

Philipp Wahlmüller

 

Quelle: Trialog, Pfarrmagazin des Pfarrverbands Obergiesing, Ausgabe 14.2. bis 10.6.2018

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