Ostern im Himmel - auch für Judas

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Kommentar von Jozef Niewiadomski in der Tiroler Tageszeitung
 
Alles, aber auch wirklich alles ist danebengegangen in seinem Leben. Große Hoffnungen und Pläne gehabt.
 
Nichts daraus geworden! In der Sackgasse angelangt, versucht er diese zu sprengen. Verrät den Freund, auf den er all seine Hoffnungen gesetzt hat. Und scheitert noch einmal! Und sein Ausweg? „Er ging hin und hängte sich auf!“ Wie unzählige Menschen vor und nach ihm sah auch Judas keinen anderen Ausweg aus einem Leben, das einer Tragödie glich. Das Wort Jesu, es wäre besser, wenn ein solcher Mensch nicht geboren wäre, klingt hart.
Denken wir aber nicht ähnlich?
 
Angesichts von Lebensgeschichten, die im totalen Desaster enden! Und schweigen uns darüber aus, ob es für solche Menschen noch einen Funken Hoffnung gibt. Hilft da eine alte Legende weiter? Es ist Ostersonntag. Die himmlische Gemeinschaft sitzt beim Tisch. Das Mahl hätte auch schon längst beginnen sollen. Langsam werden die Gäste ungeduldig. Doch Jesus wartet. „Worauf wartet er noch?“, denkt sich der eine oder andere Heilige. „Die Christen auf Erden sind schon lange beim Nachtisch.“ Plötzlich geht die himmlische Tür auf. Draußen steht Judas. Alles erstarrt. Die Spannung steigt. Man könnte eine Nadel fallen hören. Die Apostel werfen einander eindeutige Blicke zu: „Was will das Schwein hier?“ Jesus strahlt Ruhe aus. Steht auf und geht auf Judas zu. Nimmt ihn bei der Hand und sagt:
„Auf Dich habe ich gewartet!“ Und dann ruft er in den Raum hinein:
 
„Nun können wir beginnen. Mit dem Ostermahl.“ Die österliche Initiative Jesu, Judas auf diese Weise in die himmlische Gemeinschaft zu integrieren, lässt sich rein menschlich kaum begreifen. Sie ist auch im wahrsten Sinn des Wortes göttlich. Gott kann ja auf krummen Zeilen gerade schreiben. Sogar auf den krummsten! Nicht nur auf den Zeilen, die das Versagen schreibt. Selbst auf jenen, die der abgründige Hass diktiert. Die Auferstehung Jesu wandelt aber all das Krumme. Selbst der Tod wird in die Schranken gewiesen. Das Wunder der Auferstehung sprengt alle rational nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten, ist nicht rational. Aber gerade deswegen vermag dieses Wunder auf eine neue Weise die Größe des Menschen zu begründen. Nicht nur die Größe Jesu selbst. Eines jeden Menschen. Selbst desjenigen, dessen Leben im Desaster endete!

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